Verliebte, Verwirrungen, Elfenzauber und jede Menge Überraschungen: Mit William Shakespeares Sommernachtstraum startete unsere Schülergruppe „Wir gehen ins Theater“ am Landestheater Niederbayern in die neue Theatersaison. Und gleich der erste von insgesamt vier geplanten Theaterbesuchen zeigte, wie frisch, witzig und überraschend aktuell ein über 400 Jahre alter Klassiker sein kann.
Die Theatergruppe besteht aus Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 9 bis 12 des Gymnasiums Ergolding und unseres Gymnasiums. Begleitet werden die Jugendlichen von Frau Sailer (Hans-Carossa-Gymnasium) sowie Frau Alexandra Wasserek-Luschtinetz und Frau Dr. Astrid Fernengel (Gymnasium Ergolding).
Ein informatives Vorgespräch bot spannende Einblicke in das Stück und weckte die Neugier auf die Inszenierung. Was die Jugendlichen anschließend auf der Bühne erwartete, war alles andere als eine verstaubte Shakespeare-Aufführung. Die neue Intendantin des Landestheaters, Astrid Großgasteiger, hatte gemeinsam mit der Dramaturgin Dana Dessau eine ebenso fantasievolle wie moderne Fassung entwickelt. Dabei blieb Shakespeares berühmte Komödie erkennbar, erhielt aber durch überraschende Einfälle eine ganz eigene Dynamik. So traf die klassische Sprache der Schlegel-Übersetzung auf moderne Jugend- und Umgangssprache. Wenn plötzlich ein „Bäm“ oder „Sisterhood“ zu hören war, sorgte das für ebenso unerwartete wie amüsante Momente. Der sprachliche Mix wirkte dabei keineswegs aufgesetzt, sondern schlug gekonnt eine Brücke zwischen Shakespeares Welt und der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen. Auch optisch hatte die Aufführung einiges zu bieten: Während die Elfenwelt mit opulenten, wallenden Kostümen verzauberte, erinnerten die jungen Liebenden in Collegejacken und Sneakern eher an die Figuren einer modernen Highschool-Komödie. Für diesen reizvollen Kontrast sorgten die fantasievollen Kostüme und das Bühnenbild von Hannah Landes.
Doch hinter all dem Witz und Zauber steckten auch ernstere Fragen. Die Inszenierung nahm traditionelle Geschlechterrollen und patriarchale Machtverhältnisse kritisch unter die Lupe. Mit viel Humor und einem deutlich feministischen Blick wurde gezeigt, wie aktuell Shakespeares Themen von Liebe, Macht und Selbstbestimmung bis heute sind.
Besonders die jungen Schauspielerinnen begeisterten mit ihrer Spielfreude, Bühnenpräsenz und Ausdruckskraft. Sie trugen wesentlich dazu bei, dass dieser Sommernachtstraum zu einem ebenso unterhaltsamen wie anregenden Theatererlebnis wurde.
Der Auftakt ist also gelungen! Mit vielen neuen Eindrücken, Gesprächsstoff und Vorfreude auf weitere spannende Inszenierungen blickt die Gruppe nun auf die drei noch ausstehenden Theaterbesuche. Eines hat dieser Abend jedenfalls eindrucksvoll bewiesen: Shakespeare ist alles andere als von gestern!