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Hans Carossa als Schüler

Hans Carossa als Schüler am Königlich Bayerischen Humanistischen Gymnasium Landshut und in der „königlichen Studienanstalt":

Als Sohn eines Arztes war Hans Carossa in ländlicher Freiheit aufgewachsen. Als er 1888 im Herbst, noch nicht ganz 10 Jahre alt, nach bestandener Aufnahmeprüfung in Gymnasium und Internat eintrat, konnte er sich nur schwer in die neue Lern- und Lebenswelt einfügen.

„Staunend hatte ich gesehen, wie gewaltsam viele meiner Mitschüler das Heimweh ergriff; nun aber, da sie alle getröstet und eingeweiht waren, begann es unvermutet in mir selbst zu rasen. Zum Ausbruch kam es durch die plötzliche Erkenntnis, dass alles, was mir in der Heimat bedeutend gewesen war, hier in der Anstalt keine Geltung hatte.... Kläglich waren die Schulerfolge; denn da mir nichts fühlbar, nichts denkbar war als die furchtbare Enteignung meiner kindlichen Welt, so liefen die Worte der Lehrer ewig unverstanden durchs Gehör. Fast jede Prüfung endete mit Tränen...." (Verwandlungen einer Jugend Stle. Werke II 117 ff).

Carossa war weder ein besonders guter noch ein handsamer Schüler. Nach der 6. Klasse (= 10. Klasse) musste er zwar das Internat verlassen, konnte aber am Gymnasium bleiben. Er selbst interpretiert die Angelegenheit später so: „Das hohe Kollegium der Lehrer, verlockt von der Aussicht, einen lästigen, vorlauten Schüler loszuwerden, hatte übereilig seine Entlassung verfügt, diese aber widerrufen müssen und nun ein wenig seine Sicherheit ihm gegenüber verloren..." (Verwandlungen einer Jugend. Stle. Werke II 192)

Als Externer wohnte Carossa bis zum Abitur bei Professor Hilgärtner, der am Landshuter Gymnasium Alte Sprachen lehrte und ein Haus in der Oberen Freyung besaß. Hier findet der Heranwachsende, dessen „Handeln und Leiden" ... „heftiger und unberechenbarer war als das der meisten anderen" Halt und wohlwollendes Verständnis. „Die Prophezeiung, es werde mit mir nicht gut hinausgehen, begleitete meine ganze Entwicklungszeit, und mein guter fröhlicher Landshuter Pflegevater Hilgärtner äußerte noch nach Jahren seine Freude darüber, dass ich, allen Voraussagen zum Trotz, eben doch nicht verrückt geworden sei." (Führung und Geleit. Stle. Werke I 674)

Zum großen Bildungserlebnis werden für den sensiblen und phantasievollen Buben , dem es leicht fällt, „Reime zu schreiben", die Werke Goethes, die er zu seinem „fünfzehnten Weihnachtsfest" von seinem Vater geschenkt bekommt. Wie A. Weber herausgearbeitet hat, konnte Carossa „in der entscheidenden Entwicklungsphase den Innenraum Goethes als geistige Heimat" gewinnen. Diese geistige Begegnung hat in ihm „den Willen zur Suche objektiveren Sinnes" befördert und so hat er im Gegensatz zu anderen Literaten Lehrer und Schule nicht angeklagt; er übt wohl reichlich Kritik, bekennt sich aber zu der humanistischen Bildung, die er am Landshuter Gymnasium erfahren hat.

Zusammen mit seinen Klassenkameraden Hugo Mott und Walter Gagg besteigt er nach dem Abitur, das er 1897 abgelegt und trotz „Unterschleifs" in Mathematik bestanden hat, den Martinsturm. Dort lässt er in der literarischen „Turmbesteigung" eine Stimme Folgendes verkünden:

„Laß die menschliche Gemeinschaft nur noch aus Tageszweck und –emsigkeit bestehen, nimm die großen Versonnenen aus dem Gedächtnis der Erde, zerbrich den Ring der Eingeweihten, vernichte für immer die ewig neu bildsamen Gesichte des Altertums, schließe jede Schule, die dann und wann einen Jugendlichen zum Schauen und Ahnen ermutigt, - was bleibt? " (Verwandlungen einer Jugend., Stle. Werke II 257 f)

Nach dem Abitur studiert Carossa in München, Leipzig und Würzburg Medizin. 1903 absolviert er die Approbationsprüfungen und promoviert in Leipzig.

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