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Kinobesuch der neunten und zehnten Klassen
2017curtain

Geschichtsunterricht einmal im Kino anstatt wie üblich im Klassenzimmer. Schüler aus der 9. und 10. Jahrgangsstufe konnten mit dem 2016 an den Start gegangenen Dokumentationsfilm „Wir sind Juden aus Breslau“ von Karin Kaper und Dirk Szuszies ein ungewöhnliches deutsch-polnisches Jugendprojekt sehen. Die Jugendlichen im Kino waren so alt wie die Jugendlichen aus Bremen und Wroclaw (Breslau), die 14 Lebensläufen von ehemaligen Breslauern jüdischen Glaubens nachgegangen sind, deren unbeschwertes Leben als Jugendliche mit der Machtergreifung und spätestens nach der Reichspogromnacht 1938 ein jähes Ende fand. Auf den Spuren ihres früheren Lebens als junge Menschen in einer ihnen jetzt fremden Stadt erzählen sie jeweils ihre Sichtweise und ihre Geschichte aus der damaligen Zeit. Auch werden kaleidoskopartig die weiteren Lebensgeschichten im Film gezeigt. So gelang einigen die Emigration nach USA oder Palästina, einige mussten fliehen, andere überlebten das Vernichtungslager Auschwitz. Breiten Raum nahm dabei die Geschichte ein, wie manche von ihnen den Staat Israel mit aufgebaut und verteidigt haben. Auch hierbei fällt wieder das Besondere an dieser Dokumentation auf, nämlich dass die Kommentierung immer wieder durch kontrastierende Bilder zu den Aussagen der Interviewten bestand, die dem Zuschauer Raum lässt, sich selber kritisch Zusammenhänge zu erschließen. Oder aber auch gegensätzliche Aussagen der Überlebenden nebeneinander bestehen dürfen. In einem sind sich die Protagonisten jedoch einig: sie alle haben ihre Heimat unwiederbringlich verloren. Nicht nur sie, sondern auch all die anderen jüdischen Bewohner der damaligen drittgrößten jüdischen Gemeinde. Auch wenn die Weiße-Storch-Synagoge wiederaufgebaut wurde, die Gemeinde besteht nur aus 350 Mitgliedern. Wird sie sich je wieder so füllen, so wie die Zeitzeugen berichtet haben? Das fragt man sich sehr besorgt, wenn man die Aufnahmen eines nationalistischen Aufmarsches von Polen in Breslau aus dem Jahr 2015 mit ansehen muss, dessen Gebrülle und dumpfbackigen Parolen einen sehr erschreckend an die Aufmärsche der Nationalsozialisten erinnern. Im Anschluss an den Films erfahren die Schüler in einer Fragerunde von der Regisseurin, dass diese Aufnahmen nicht geplant waren, in einer Dokumentation aber schon gezeigt werden sollten und sie deswegen unter Vorsichtsmaßnahmen gedreht wurden. Das Anliegen aller am Film Beteiligten ist, dass Europa stärker denn je gegen den wieder aufflackernden Antisemitismus ankämpfen muss, damit ein friedliches und starkes Europa bestehen bleiben kann.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Franz Gervasoni, der diesen Film nach Landshut holte und die Begegnung mit der Regisseurin organisierte, sowie dem Verein der Freunde des HCG für die finanzielle Unterstützung.

Yvonne Löken